Steinreich
Ja das sind sie, die Alpen - Tschugge überall wo man hinschaut. Oder Moränen. Denn da wo bei uns Grünes wächst, war mal ein Gletscher und das ist noch nicht so cheiben lange her (also 20’000 Jahre - für Geologen ein Fingerschnipps).
Aber gat fer der rot Fadu: Wir hatten Zusammenkunft mit den Geologen, um in diese prächtige Steinvielfalt der Bergwelt einzutauchen. Und das wurde es; ein Köpfler rein in die harte Materie - gfühlt vam 10-Meterturm.
Angefangen hat das ganze mit der Tektonik; den Platten und dem Ozean (und dem Walliser Becken) und wie es dann die Schnecken im Kalk eingelagert hat und später bei der Kollision von Afrika und Europa noch den Schneepflug- Effekt gab. Es wurde subito klar: Schon bei der Einführung musste ich mein Mundwerk gewaltig im Griff halten, damit ich mir nicht einen Stein in den Weg legte und den Faden schon bei den Grundlagen verlor.
Soweit, so gut. Wir waren voll auf Kurs und arbeiteten uns bis zu den anstehenden Gesteinen vor. Hier wurde klar, dass es um die Roulade geht: Teig und Creme schichten, dann rollen (und falten) und schliesslich herzhaft abbeissen (=Erosion). So ergibt sich das Landschaftsbild, welches wir heute in den Schweizer Alpen finden. Und auch das bleibt nicht für immer so, das glimmerte uns spätestens bei den Gesteinskreisläufen.
Hier hörts mit einer einigermassen gescheiten Darstellung meinerseits leider auf, ich war nocked-out mit diesen ‘rocks’ und und ihren Adern und Überlagerungen… “Tschüss merci und ich sichere uns den Tisch im Apéro” - dies der nicht allzu späte Einfall meines Hirns.
Doch noch war nicht Feierabend. Es wartete die steinharte Tour. Super spannende Inputs und zig verschiedene Steine. Manchmal auch Überschichtung pur für uns Laien - wie wenn die ein oder andere als solid eingestufte Scheibe an Wissen plötzlich brökelt. Die vom Fundament hats bei mir gibreicht: Alles sah ein wenig nach Kalk und Grünschiefer, Gneis oder dann doch Serpentinit aus. Mittendrin noch die Sedimentgesteine aus der Ozeanschicht… vor Ort hätte es alles sein können. Ok nicht gaanz alles: Denn wenn du mit der Säure auf den Stein pipettelst und es sprudelt, dann muss es irgendwas mit Kalk sein (Ende der wissenschaftlich gesicherten Informationen, die ich hier weitergeben kann zur Exkursion).
Am nächsen Tag ging es dann in Richtung Gletscher. Über Moränen und fossile Blockgletscher immer näher ans Gletschertor und die Spaltenzone. Mein Feuer war nun wieder auf voller Flamme und die Steinböcke legten noch eine Schicht Enthusiasmus drauf.
Ende dieses Kurses war die eigene Wissens-Roulade ziemlich mehrstöckig geschichtet, gut durchmischt und kaum mehr von Auge als solche zu erkennen. Es war nun eher ein Granit mit bisschen Glimmer-momenten, etwas falsch abgespeicherten Quarz/tsch und dem ein oder anderen Feld(versuch)spat - eine Straciatellaglace ohne irgendwelche erkennbare Struktur oder Bänderung, prima zu einem Klumpen gemischt in meinem Kopf.
Aus diesem Granit nun ein verfestigtes Wissenspäckchen zu machen und neue Materie daraus zu schaffen, so zu sagen den ‘richtigen’ Orthogneis, das war dann die Hausaufgabe. Und wie die Geologen sagen, ist die Zeit grosszügig zu berechnen (in Tausend Jahren geit da nid vill).
Dermassen zuversichtlich schliesse ich diesen steinreichen Eintrag zum Geologiekurs hiermit ab und wünsche: Allerseits guten Tritt und ab und zu das erfüllende Gefühl, ein Glimmer zu sein.