Herz @ Hose

Wenn z’P3 oder die Belle von der Air Zermatt da kreist, wo du runter musst… dann ist afa mal teif durchschnüfu bis zum Bauchnabel angesagt. Und da dazwischen ist ja noch das Herz. Und dieses befand sich in diesem Moment ruckizucki auf einer anderen Etage… Aber nun mal ein Rutsch nach dem anderen.

Es war ein freundlicher, ruhiger Herbsttag und wir wollten noch ein letztes Grattourli unternehmen - denn beim ersten Versuch hat’s ja eben plötzlich Katzen gehagelt (siehe Eintrag zum nagelneuen Zelt im Gewittertest).

So schnaufte ich hinter meinem Companero her und versuchte nicht ganz so dermassen abzufallen (als motivierte Wanderleiterin kannst du eigentlich schlecht durchblicken lassen, dass es dich gerade greber agurkt beim Zusteigen). Das Kaschieren ist ja nicht so meine Stärke und so entwich mir in den Geröllflanken mit gefühlt vierzig Grad Steigung schon das ein oder andere schmucke ‘Gopferdelli’.

Doch irgendwann war auch der Fluch vorbei und es ging an die Kletterei. Und das war dann wirkli ein Schmuckstück. Griffe wie Briefkastenschlitze oder Elefantenohren und auch zum Stah hatte es immer was. Dazu die Sonne im Gesicht (und etwas wenig creme du soleil auf der Haut) und den Wind auf flauem Halbmast. Es ging uns gut da oben beim umanand turnu. Und wir waren nicht alleine mit dem Gspass. Vor uns waren zwei Gschwindi und brachten ihre Abseilfreude zum Ausdruck - immer schön wenns freudig tent. So kam dann auch der Gipfel immer näher und die Aussicht auf ds Schoggibrotji liess mich am Ball (oder Grat) bleiben.

Oben angekommen, verging mir der Appetit dann aber hantli. Die Seilschaft vor uns hatten wir schon länger nicht mehr gesichtet (und johlen gehört). Schüst in dem Moment kam da das Rotorengeräusch in unsere Lauscher. Auf dem Grat unserer Abstiegsroute turnten nicht die beiden Bergziegen, sondern der Rettungshelikopter von der Air Zermatt. Hin und zurück, Maschine zwischenlanden und wieder starten… warten, bangen und hoffen dass nichts Schlimmes passiert ist. Dass es einfach eine Vorsichtsmassnahme war wegen Erschöpfung.

In diesem Moment fühlte ich mich unglaublich klein, machtlos und auch voller Ehr-Furcht vor diesen gewaltigen Felsen. Einen kurzen Moment lang kam der Gedanke ‘warum machsch das uberhöipt?’ auf. Doch dafür hatte ich in dem Augenblick nicht auch noch Zeit — es war klar (und) denken angesagt. Rühig blibu und Schritt für Schritt den Weg nach unten gehen.

Dieser Abstieg mit den immer wiederkehrenden Gedanken war einer der intensivsten und längsten, obschon technisch nicht dermassen fordernd. Aber wenn ds Chopfji nicht mitmacht wird’s schnell bränzlig.

An diesem Tag wurde mir einmal mehr bewusst wie schnell das Leben im Chopfstand sein kann. Vielleicht war diese Person einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Vielleicht musste mir das Herz wieder einmal in die Hose rutschen, damit ich mir der Gefahr des Bergsports wieder bewusst werde. Und vielleicht geht es nicht darum 0 Risiko zu nehmen, sondern es zu minimieren und das Restrisiko als solches zu akzeptieren.

Und danke zu sagen, dass es Menschen gibt, welche uns in misslichen Lagen versuchen zu helfen. Und dass es Profis gibt, welche es zu ihrer Aufgabe gemacht haben, im Risikobereich die mögliche Sicherheit zu schaffen. Durch professionelle Ausbildung zum Spezialisten.

So bleibt mir MERCI zu sagen und mich selber nach meinen Möglichkeiten auszubilden und zu engagieren.

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Brunftzeit (nicht nur) im Nationalpark

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Steinreich