In der GewitterZel(t)le

Eigentlich weiss es jede/r ganz genau: Wenn es auf der Vorhersage Gewitterzellen hat, dann nimm dich in Acht und mache deine Zeltpläne nicht zu ambitioniert. Was im Professionellen kein Thema gewesen wäre, hörte sich im Feuer der Vorfreude auf diese private Klettertour idealistisch gesehen halb so wild an.

Doch es ist wie mit dem Durchsteigen von Kuhzäunen - so lange es dich nicht erwischt und es dir keins fädrut, so lange wirst du immer mutig(er) sein und es etwas drauf ankommen lassen. Bis es dann mal in den Rücken schiesst (weil man etwas gar optimistisch unter dem Draht durchkroch, mit dem Rucksack drauf). So ähnlich ging es mir mit dem nigelnagelneuen ausgeliehenen Zelt. Als hätte es einen Gewitterschutz, wagten wir es beim Wolken-Regensymbol in der Wetterapp nach draussen.

Und ja Herrgottsdonnernochmal der Wetterfrosch hats ja damals gesagt “Schaut a) nicht auf diese Böudali, sie sind wie das Horoskop in der 20 Minuten; för d’Chatz! und b) Gewitter sind nicht zum Gamblen. Wenn ihr zwischen dem Blitz und dem Knall nicht mehr als 10 zählen könnt - dann seid ihr drin, im Seich!”

Das der theoretische Bäckgraund - nun zum praktischen Erfahrungsbericht. Mit der Bahn auf den Berg gondeln, nochmals die App und die Wolken auf die andere Talseite gucken: “Sieht ganz gut für uns und bitter für die Biancini da änina aus.”

Nach der viertelstündigen Sicherheit spürte unserein da einen schüchen Regentropf - “Woher kommt der? Wohl aus dieser etwas hellgrauen Wolke über uns. Mal das Zelt aufstellen, dann können wir von innen etwas lauschen wies rägelet.” (Mhm genau…)

Keine 5 Minüts später prasselte und kesselte es auf das Zelt und wir hechteten rein bevor auch schon z erschte Chlapfji geit. Gebannt der Blick auf die App - wie die Lottozahlen in der Trommel, alles komplett neu gemischt und wir im Farbengefecht der Gewitterzelle - und diese schien bis Mitternacht genau über uns zu bleiben! Und diese Ultralightstängeli vom Zelt, sie bilden bekannterweise nicht den optimalen faradayschen Käfig.

Also hiess es Plan S - wie Subito aus der Gefahrenzone! Ich muss hier wahrscheinlich nicht sagen, dass es schönere Momente gibt als wenns Katzen haglet und Bindfäden regnet jeden Hering zu zupfen und die ganze Geschichte abzublasen… eh zusammenzupacken.

Seichnass und wie der Blitz suchten wir Unterschlupf im nahegelegenen Gebäude, schämten uns über die falsche Einschätzung und mussten dann einen Strich unter diese Rechnung machen.

Inzwischen war schon fast wieder Sunset-Stimmung und der Radar hatte sich zum dritten Mal in dieser halben Stunde neu erfunden. Was blieb war der fade Nachgeschmack vom Aufgeschmissensein - wenn d Lüüne vaner Natur spillt, müesch nid z Gfühl hä, dü heigesch der Trumpf im Ärmel.

So schlichen wir an diesem Abend spät mit einem neuen pudelnassen Zelt nach Hause, legten es nach dem intensiven Kurzeinsatz auf dem Balkon aus und schlüpften unters Düvet - mit einer Lektion mehr im Kasten.

Häb der Sorg und der Meteorolog vor Öige - Gwitter sind Tausendsassas!

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180°- und d wält steit chopf.