Gschnatter und Gflatter am Muveran
Es war wieder einmal soweit: Das Tourenhighlight der Ausbildung stand auf dem Menü: Tour dü Muveran. Ja dü! Kaum aus dem Zug gestiegen, wurde mir klar, dass wir hier nicht zum Spass sind. Es gilt äruscht! Wer war die letzten Wochen wo und wie erfolgreich am Berg?! Es ging dabei nicht ums Zuhören - viel mehr darum, schön laut (und breit) über die eigenen Erfolge zu informieren. Wie ein talentierter Mensch - natürlich eigentlich komplett überqualifiziert für einen Wanderleiter, ist ja klar…
So weit, so breit. Und so ging es dann hoch zum Rendez-vous mit den Bergführern für diese Woche. Schon da war mir klar - das gid en glatti Sach!
Doch zuerst war da noch diese eine andere Sache: ein Orientierungslauf als Amüse-Bouche. Einzeln und dann schlussendlich noch auf Zeit. Einige Augen glänzten schon bei der Vorstellung, da am Berg rum zu rennen wie die Hennen. Dass dann ausgerechnet das Wetter Kapriolen macht, wenn der/die ein oder andere hochmotiviert durch die Gegend flattert - schon in meinem Kopf ein herrliches Bild. Und so war es dann auch. Mittagessen lag nicht drin und Karte anständig lesen blieb auch auf der Strecke. Aber dieser leicht irritierte Blick im Gjufel wenn wir beim Umherspazieren zu dritt immer wieder von den gleichen Personen überholt werden mussten, weil ihre Richtung wohl etwas abhanden kam - es war deliciö!
Doch nun zum Hauptgeschäft: der Ausbildungstour! Schon vor dem Start war klar, was unserem Chef dü class sympathisch war und was weniger, sowohl bei der Routenwahl als auch beim Schuhwerk. Auf gings. Über Blumenwiesen (ganz verreckt) hoch zu den Edelweissen und einem schönen Mittagsgüpfi mit bestem Blick auf den Col du Pauvre. Hier war dann auch Führungswechsel angesagt und schon hantierte der Erste mit gefährlichem (K)No(w)-how. Der Arme fand den Col nicht - das erste Mal etwas im Schlamassel. Doch wir schafften es und machten unseren Job ziemlich gut.
Zweiter Tag war da gleich zum Start ein “Hütehund-Pony” in der Schafweide - soo ein Tier wurde uns angekündigt! Eng beisammen und ohne grossen Mucks schlichen wir uns durch die blö…ckende Masse. Als wir dann durchmarschiert waren, wollte unser Chef noch mit der Hirtin sprechen - schön auf Abstand zu diesem grossen Tier. Dieses schien sich jedoch nicht für uns zu interessieren und legte sich hin, flach wie eine Flunder. Ja und so ging es friedlich und freudig weiter - stets bestens unterhalten und mit Aussicht fantastique. Auch die Welschen wissen wie es geht mit dem Raustischen von herrlichen Bergkulissen.
Am vierten Tag dann eins meiner Highlights: Es war auf einer kleinen Alpage, eher Ende der Strecke und wir stärkten uns mit Sprudelsirup dü maison und Kuchen verziert mit Steinböcken, Adlern und Marmottes - Idylle pur. Und dann kamen da zwei ganz Geschwinde ums Eck: mit Stockentenmanier und voll auf Trab. “Vous voulez boire quelque chose?” - ein leicht schnappatmiges “Hihi no, on a pas le temps” und dann hechtete sie ihrem Stockentchen (dem Erpel) hinterher direkt zur Hausquelle, um gratis Wasser abzuzapfen. Uh da ging das Gschnatter los an unserem Tisch! Man kann sich vorstellen; mir fehlte es nicht an Worten und Kommentaren. Und als wir sie dann etwas später im 200 Meter Abstand an uns vorbeistechen liessen, konnte ich mir das Säuseln von “hihi on a pas le temps” kaum (natürlich nicht) verkneifen.
Für den letzten Tag nahmen wir zwei Schnattertanten uns vor, früh aus den Federn zu hüpfen (wenn man das noch so bezeichnen konnte). Wir wollten im jüngsten alpinen Bergwald der Derborence den Vögeln lauschen und das ein oder andere Tier erspähen. So legten wir uns auf der Mauer auf die Lauer. Und dann… nichts. Nichts und nochmals nichts! Kein Geflatter, kein Geschnatter. Wahrscheinlich hatten wir etwas zu sehr auf Kommentarbuzzer gedrückt und uns das Earlybird-Programm der Natur nicht verdient. So läufts - probier es wieder und probier es besser Julia.